Kakao schließt schwach: Saisonales Tief trifft auf kurzfristigen Verkaufsdruck
Rohstoffe
Carsten Stork
08. Juni 2026

Kakao schließt schwach: Saisonales Tief trifft auf kurzfristigen Verkaufsdruck

Kakao schließt schwach: Saisonales Tief trifft auf kurzfristigen Verkaufsdruck


Der Kakao-Future konnte die vergangene Woche zwar mit einem Plus von 2,04 % abschließen, der Schlusskurs bei 3.901 US-Dollar bleibt jedoch kein starkes Signal. Entscheidend ist, dass der Markt trotz der positiven Wochenperformance weiterhin unter der wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar notiert. Damit ist die technische Ausgangslage noch nicht überzeugend. Die Erholung ist sichtbar, aber ein klarer Befreiungsschlag sieht anders aus.

Fundamental bleibt das Bild gemischt. Kurzfristig belasten höhere verfügbare Bestände und die besseren Lieferdaten aus der Elfenbeinküste. Die ICE-Kakaobestände sind zuletzt auf den höchsten Stand seit rund 1,75 Jahren gestiegen. Gleichzeitig wurden die Ernteschätzungen für die Elfenbeinküste angehoben, was den Markt zuletzt immer wieder unter Druck gesetzt hat. Auch schwächere Verarbeitungsdaten aus Nordamerika und Europa zeigen, dass die Nachfrage auf dem hohen Preisniveau nicht mehr völlig unbeeindruckt bleibt.

Der Kakao-Future hat die vergangene Woche mit einem Minus von 4,00 % beendet und bei 3.744 US-Dollar je Tonne geschlossen. Besonders auffällig war der Wochenverlauf: Zwischenzeitlich konnte der Future noch deutlich ansteigen und fast die Marke von 4.200 US-Dollar erreichen. Am Ende ging der Markt jedoch nahezu am Wochentief aus dem Handel. Das zeigt, dass der kurzfristige Verkaufsdruck zum Wochenschluss klar überwogen hat.

Kakao konnte sich damit dem allgemeinen Druck an den Rohstoff- und Risikomärkten nicht entziehen. Auch andere Commodities gerieten zuletzt stärker unter Druck, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten die Zinserwartungen erneut nach oben verschoben hatten. Zusätzlich belasteten bei Kakao kurzfristig Sorgen um die Nachfrage sowie steigende Lagerbestände. Gerade die Hinweise auf eine langsamere Erholung der Schokoladennachfrage und höhere ICE-Bestände haben den Markt zuletzt zusätzlich belastet.

Fundamental bleibt das Bild jedoch nicht eindeutig negativ. Die Diskussion um El Niño ist weiterhin relevant, auch wenn kurzfristig etwas bessere Wetterbedingungen in Westafrika den Druck auf die Preise erhöht haben. Sollte sich das erwartete El-Niño-Muster in den kommenden Wochen stärker zeigen, könnte das Angebot in Westafrika erneut stärker in den Fokus rücken. Genau deshalb ist der aktuelle Rückgang für mich nicht automatisch das Ende des übergeordneten Setups.

Bei den COT-Daten hat sich das Bild kaum verändert. Das Managed Money hält weiterhin eine Netto-Short-Position von knapp über 17.000 Kontrakten. Diese Positionierung ist nicht besonders groß, aber eben auch noch kein strukturell bullishes Signal. Für eine nachhaltige Trendwende wäre es hilfreich, wenn diese Short-Position weiter abgebaut wird.
Saisonal wird Kakao jetzt interessant. Anfang Juni wird häufig ein saisonales Tief erreicht, von dem aus der Markt bis Anfang August wieder deutlich ansteigen kann. Genau diese Phase beobachten wir jetzt engmaschig.

Fazit:
Der Kakao-Future hat eine schwache Woche hinter sich. Das Minus von 4,00 % und der Schlusskurs bei 3.744 US-Dollar nahe dem Wochentief zeigen kurzfristigen Druck. Gleichzeitig trifft diese Schwäche auf eine saisonal interessante Phase. Noch fehlt die Bestätigung durch die COT-Daten, aber aus saisonaler Sicht könnte sich ab jetzt wieder ein besseres Zeitfenster für Kakao öffnen.
Carsten Stork

Carsten Stork

Carsten Stork - Chefredakteur CS Investor und CS Academy. Seit 1996 handelt Carsten Stork bereits an der Börse und ist spezialisiert auf Rohstoffmärkte – die “Champions League des Tradings”. Mit dem CS Investor begleitet er Privatanleger anhand seines 4-Säulen-Systems (Storyline, COT-Daten, Saisonalität, Technik) bei Investitionen in den Bereichen Rohstoffe, Devisen und Aktien. Seine Philosophie: Mindestens zwei starke Argumente müssen zusammenkommen, bevor ein Trade eingegangen wird.